Im Testspiel gegen den SV Werder Bremen hat sich der SSV Reutlingen teuer verkauft. Vor 5.600 Zuschauern erzielten die Kreuzeichekicker ein achtbares 1:3. Das Tor des Tages aus Reutlinger Sicht schoss Andreas Rill in der 14. Minute. Darüber hinaus gab es auch noch 25 Gramm Gold.Wer erwartet hatte, dass der Bundesligist und ChampionsLeague-Teilnehmer Werder Bremen den Fünftligisten SSV Reutlingen ordentlich vorführen würde, sah sich schnell getäuscht. Zwar hatten die Gäste von der Weser zu Beginn etwas mehr vom Spiel, zunächst jedoch ohne sich klare Chancen herauszuspielen. Erst in der 13. Minute kam es zur ersten dicken Möglichkeit für die Hansestätter: Hugo Almeida tauchte alleine vor SSV-Keeper Patrick Gühring auf, doch der blieb lange stehen und konnte den Schuss noch zur Ecke abwehren. Der SSV reagierte jedoch keineswegs geschockt und spielte mutig weiter nach vorne. Bereits zwei Minuten später wurden die Reutlinger Bemühungen von Erfolg gekrönt, als Ilias Klimatsidas Andreas Rill super bediente, der Gästekeeper Felix Wiedwald verlud und den Ball in die Maschen drosch. „Der Pass von Ilias kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Bremen spielte auf Abseits, aber das Tor war hundertprozentig regulär. Ich bin froh, dass er rein ist“, schilderte Rill die Szene nach dem Spiel.
SSV in Führung
SSV: 1 – Werder Bremen: 0 – diesen Zwischenstand dürften die Reutlinger Anhänger sicherlich nicht so schnell vergessen. Nun allerdings drehte Werder etwas auf. Nur eine Minute nach der Reutlinger Führung zwang Marko Arnautovic SSV-Keeper Patrick Gühring, seinen Schuss zur Ecke abzuwehren. Doch auf Gühring war heute Verlass: Auch beim Eckball war er zur Stelle und wehrte sicher ab. Doch auch er konnte wenige Minuten später den Ausgleich der Gäste nicht verhindern. Hugo Almeida griff über rechts an, nachdem ein SSV-Spieler im Mittelfeld den Ball verloren hatte, spielte zwei Leute aus und fand in der Mitte Aaron Hunt, der sicher zum 1:1 einschob.
Patrick Gühring mit Glanzleistung
In der Folge lautete das Duell immer wieder Arnautovic gegen Gühring: Der 21-jährige Bremer Neuzugang aus Österreich wirbelte die SSV-Abwehr ein ums andere Mal durcheinander, doch Gühring konnte (meist) mit Glanzparaden retten. In der 36. Minute jedoch klingelte es erneut im Reutlinger Gehäuse: Nationalspieler Tim Borowski zog nach Vorarbeit von Almeida ab und erzielte das 1:2. Vier Minuten später war es dann der wieselflinke Arnautovic selbst, der erneut nach Zuspiel von Almeida erst Hunt steil schickte, Gühring aussteigen ließ, von Hunt den Ball zurückbekam und sich dann in der Mitte gegen Hans-Alex Thies durchsetzte, der das 1:3 aus Reutlinger Sicht nicht verhindern konnte. „Wir haben eigentlich ganz ordentlich gespielt und gut mitgehalten. ich kann mir allerdings vorstellen, dass Bremen mit angezogener Handbremse gespielt hat. Nach dem 1:0 haben sie ein bisschen angezogen, da sind wir ganz schön hinterhergelaufen“, beschrieb Gühring anschließend die erste Spielhälfte.
Vier Tore zur Pause
1:3 zur Pause – ein beachtliches Ergebnis und eine sehr gute erste Halbzeit des SSV. In der Pause wechselte SSV-Trainer Lothar Mattner die komplette Elf aus. Doch auch die zweite Garde präsentierte sich gut. Zwar wurden die Torchancen auf beiden Seiten seltener, dafür stieg die Anzahl der Eckbälle. Und zwar hauptsächlich für Werder Bremen: 3:14 lautete am Schluss die Bilanz. Nutzen konnten die Werderaner daraus allerdings genauso wenig ziehen wie der SSV. Außerdem machte sich bei den Gästen die Belastung aus dem Trainingslager bemerkbar, und so blieben die beiden besten Szenen dem SSV vorbehalten: Gleich zweimal hatten die Kreuzeichekicker den Anschlusstreffer zum Greifen nahe. In der 75. Minute setzte sich Hakan Cakmak rechts gegen seinen Bewacher durch und zog aus der Distanz ab, doch Gästetorwart Wiedwald rettete mit einer Glanzparade. Und acht Minuten später war es ein Freistoß von Soner Calisir, der nur knapp übers Tor strich. So blieb es letztendlich beim 1:3.
Ein rundum gelungener Abend
Über einige besondere Momente durfte sich schließlich noch Tobias Jäger freuen: Der treue Werder-Fan spielt seit Jahren in der zweiten Mannschaft des SSV und hat diese in den letzten Jahren quasi mit aufgebaut. Nun durfte der Mittelfeldspieler für ein paar Minuten mitmischen. „Er hatte gefragt, ob er spielen darf. Da er in den letzten Jahren so viel für den Verein getan hat, wurde er heute dafür belohnt“, kommentierte Mattner seine Einwechslung.
Doch nicht nur Jäger konnte sich freuen, auch die übrigen Aktiven und Zuschauer konnten mit dem Abend rundum zufrieden sein. „Die Stimmung war riesig, es hat viel Spaß gemacht“, sagte Mattner stellvertretend für die Mannschaft. Und auch über die Gegentore war niemand traurig, gab es doch für jedes Tor der Gäste immerhin fünf Gramm Gold – für das Tor des SSV sogar das Doppelte. Für Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas nicht der einzige Grund, zufrieden zu sein: „Das war heute die beste Eigenwerbung. Ich hoffe, dass möglichst viele der 5.600 Zuschauer eine Dauerkarte kaufen und zum nächsten Heimspiel wiederkommen.“ Der Vorverkauf beginnt übrigens in der nächsten Woche. Karten gibt es wie immer auf der Geschäftsstelle.
Stimmen zum Spiel:
Thomas Schaaf (Trainer SV Werder Bremen): „Wir sind gerne hierher gekommen. Wir hatten unser Trainingslager in Donaueschingen, da war das Testspiel eine nette Abwechslung zum täglichen Training. Wir haben viele gute Sachen gesehen, vor allem in der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit waren meine Spieler etwas müde, vor allem auch vom Kopf her. Reutlingen war sehr aktiv und mutig. Sie haben ihre Chancen gesucht. Gratulation zu dieser Leistung, ich wünsche dem SSV viel Erfolg.“
Lothar Mattner (Trainer SSV Reutlingen): „Ich kann mich Thomas Schaafs Worten nur anschließen. Wir haben versucht, die Dinge umzusetzen, die wir trainiert haben. Das hat auch vor allem in der zweiten Halbzeit gut geklappt, was etwas überraschend war, wenn man bedenkt, dass dort einige Spieler angeschlagen waren. Die erste Halbzeit hat gezeigt, dass es noch viel zu tun gibt. Mit dem Spiel nach vorne bin ich noch nicht zufrieden. Allerdings hatten wir das auch noch nicht trainiert, der Schwerpunkt lag bisher auf dem Ballgewinnspiel. Den Spielern hat es Spaß gemacht. zur Halbzeit hatten wir Glück, dass es nur 1:3 stand, in der zweiten Hälfte hätten wir aber unsere Chancen besser nutzen müssen.“



