SSV Reutlingen 05: Außer Fußball wird noch viel mehr geboten
Wenn landauf, landab vom SSV Reutlingen die Rede ist, handelt es sich zumeist um dessen Fußballer. Dabei gibt es im Sport- und Schwimmverein 05 (SSV) zudem noch die Abteilungen Boxen, Tennis, Versehrtensport, Freizeitsport, Schwimmen und Tischtennis. Und auch die können sich sehen lassen.

DIETMAR CZAPALLA - REUTLINGER NACHRICHTEN

Wenngleich die Fußballabteilung das Bild des SSV in der Öffentlichkeit im Wesentlichen prägt, ist er dennoch ein Mehrspartenverein. Rund 1700 Mitgliedern wird in den Abteilungen Boxen, Tennis, Versehrtensport, Freizeitsport, Schwimmen und Tischtennis ein umfangreiches Sportangebot bereitgestellt. Allen sieben Sparten liegt im Programm zu Grunde, dass sie in vorbildlicher Weise insbesondere auch Kinder- und Jugendliche ansprechen. Vorbildlich und mit großem Engagement wird gerade dafür in allen Abteilungen viel getan. So leistet der Sport auch in Reutlingen in gesellschaftlicher Hinsicht - insbesondere auch für die Integration aller Altersstufen und Nationen - nicht hoch genug Einzuschätzendes.

Start mit Tischtennis

Als eine der ersten Abteilungen des SSV Reutlingen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Tischtennis-Abteilung gegründet. Bei den Weltmeisterschaften 1969 trugen drei Reutlinger das Nationaltrikot. In den 70ern erlebte sie goldene Zeiten, als Spieler bei Welt- und Europameisterschaften eingesetzt wurden. Die großen Erfolge bis hin zum Gewinn des Europapokals im Jahr 1983 setzten sich fort, ehe es im Jahr 1992 zum Ende des Profi-Tischtennis in Reutlingen kam. Seither kämpft man "nur" noch in Ligen Württembergs. In Sachen Nachwuchs stehen derzeit 50 Mädchen und Jungs im Training. Die Abteilung Tennis im SSV Reutlingen wurde im Jahr 1973 gegründet. Drei Jahre später entstand daraus der selbstständige Verein Tennis-Club SSV Reutlingen, man nahm in Verbandsspielen den Wettkampf auf. Etwa 220 Mitgliedern stehen derzeit acht Tennisplätze und ein eigenes, 1985 gebautes Clubhaus zur Verfügung. In verschiedenen Klassen ist man mit Mannschaften verschiedener Altersstufen auf Bezirks- und Verbandsebene aktiv. Beim TC legt man, um Nachwuchs zu gewinnen, besonderen Wert auf kontinuierliche Jugendarbeit.

Der Boxsport hielt um das Jahr 1925 Einzug in Reutlingen, wo er nach dem Zweiten Weltkrieg einen kometenhaften Aufstieg erlebte. Reutlingen hatte sich in der oftmals überfüllten Listhalle zur Hochburg gemausert. Anfangs der 50er Jahre war man bundesweit unschlagbar. Danach ging es bergab, bis in den 60er Jahren Gastarbeiter den SSV-Boxstall neu belebten. Um 1980 errangen Boxer des SSV noch Titel auf Bundesebene. Die Zeit der Ausnahmeboxer ist zwar längst vorbei, doch geboxt wird noch immer. Aktuell zählt die Abteilung etwa 100 Mitglieder.

Zahlreiche Meistertitel

Ab dem Jahr 1946 war dem SSV Reutlingen auch die Abteilung Versehrtensport angeschlossen. Große Erfolge konnten durch die vielen Kriegsversehrten hauptsächlich im Schwimmen sowie in der Leichtathletik erzielt werden. Zahlreiche Meistertitel und andere herausragende Platzierungen auf nationaler Ebene sind der Beleg dafür. Zu den derzeit Besten zählt die Faustball-Mannschaft, die auch bei Deutschen Meisterschaften stets für Furore sorgt. Wobei es nach wie vor eines der Hauptziele der Abteilung ist, "die körperliche Leistungsfähigkeit Behinderter mit Hilfe des Sports wiederzugewinnen und zu erhalten".

Die heutige Abteilung Schwimmen ging aus dem einstigen, 1911 gegründeten ersten Schwimmverein Reutlingen hervor und hatte im Jahr 1937 nahezu 800 Mitglieder. Die Verschmelzung zum so noch aktuellen Sport- und Schwimmverein Reutlingen 05 erfolgte 1938. Nach den Kriegsfolgen boomte die Abteilung in den 50er und 60er Jahren, ehe die großen Asse zurücktraten.

Erst der Zusammenschluss der Schwimmer und Wasserballer zur SSG Reutlingen/Tübingen im Jahr 1972 brachte neuen Aufschwung, der bis heute anhält. Mehr als 3000 Zuschauer verfolgten damals im Freibad Markwasen Meisterschafts- und Länderkämpfe. Die Abteilung Freizeitsport ist die jüngste des SSV. Im Jahr 1988 gegründet, ist sie mit zirka 300 Mitgliedern nach den Fußballern die stärkste Abteilung. Freizeit- und Gesundheitssport, aber auch gesellschaftliche Aktivitäten stehen auf dem umfangreichen, wöchentlichen Programm.

Aerobic mit Power, Badminton, Basketball, Handball, Walking und Nordic Walking gehören ebenso dazu wie Wirbelsäulengymnastik, Eltern-Kind-Turnen, "Fit in jedem Alter" und noch andere Sportangebote mehr. Die Freizeitsportler sind in zehn Reutlinger Turnhallen, aber auch in freier Natur zu Gange.

Andere SSV-Abteilungen dagegen gehören schon lange der Vergangenheit an. So wie die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Hockey-Abteilung. 1948 neu ins Leben gerufen, zählte sie jahrelang zu den Besten in Württemberg.

Die Abteilung Leichtathletik feierte in den 20er und 30er Jahren erstmals große Erfolge und war auch lange danach noch weit über die Grenzen hinaus bekannt. So kamen 1937 zum nationalen Sportfest auf der Rennwiese 400 Teilnehmer und mehr als 2000 Zuschauer.

Handball zur TSG

Nach weiteren großen Erfolgen schlief die Abteilung dann Anfang der 80er langsam aber sicher ein. Und auch Handball hatte im SSV einst seine Heimat. Mitte der 20er Jahre wurden deren Heimspiele oftmals von über 1000 Zuschauern besucht. 1948 schlossen sich die Handballer der TSG Reutlingen an, und der SSV war um eine weitere, einst erfolgreiche Abteilung ärmer.

"Gute alte Zeiten" waren es demnach, als bei Reutlingens Veranstaltungen der verschiedensten Sportarten hochklassiger Sport vom Feinsten geboten wurde und die Zuschauer noch in Massen strömten. Davon schwärmt auch der 76-jährige Hohbuchler Alfred Schietinger, als einer der langjährigen und einst selbst aktiven SSVler.

Erscheinungsdatum: Montag 08.08.2005